Ausgabe Januar 2014

Wem gehört die Zeit?

Der Mensch im Takt des Kapitalismus

Bild: kallejipp / photocase.com

Das Gefühl, dass Zeit knapper wird oder – anders gesagt – schneller eilt, so dass die Menschen immer mehr in immer weniger Zeit erledigen müssen, ist ein Gefühl, das man heute bei vielen Gesprächspartnern abrufen kann. Dieses Gefühl paart sich nicht selten mit einer Form von Erschöpfung, die darauf zurückgeführt wird, dass die Einzelnen mit der rasenden Zeit nicht mehr mitkommen. Die Konjunktur von Burnout-Diagnosen ist dafür nur ein Beleg.

Wenn aber ein Gefühl so weit verbreitet ist, dann liegt es nah, nicht einfach dem Einzelnen ein besseres Zeitmanagement zu empfehlen, sondern nach überindividuellen Ursachen für solch eine Situation zu suchen. Das umso mehr, als man feststellen kann, dass die knappe Zeit und Klagen über die darob erschöpften Menschen keine Phänomene allein unserer Gegenwart sind, sondern weit in die Geschichte der europäischen Moderne zurückreichen.

Meines Erachtens verrät der Ursprung des modernen Zeitgefühls etwas über dessen Wesen. Es muss freilich nicht sein, dass der Anfang eines sozialen Phänomens dessen Wesen am deutlichsten spiegelt, aber wenn man die Transformation in den Blick nimmt, die das Zeitempfinden zwischen dem Mittelalter und der frühen Neuzeit durchlaufen hat, dann erkennt man nicht nur den Beginn des modernen, sondern auch die Andersheit des vormodernen Zeitempfindens.

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