Mittlerweile ist klar, dass die Bürgerkriege in Syrien und im Irak zusammengehören. Beide Auseinandersetzungen sind komplex, doch während sie in den letzten Jahren immer erbitterter geführt wurden, nahmen sie zugleich immer sektiererische Züge an: Rebellierende sunnitische Kräfte, die im Clinch mit schiitischen und alawitischen Regierungen liegen, haben sich in Bagdad und Damaskus verschanzt. Und da in beiden Fällen keine Kompromisslösung erreichbar scheint, haben Radikale und Extremisten die Oberhand gewonnen – mit einem Netzwerk sunnitischer Islamisten, die entweder mit Al Qaida verbündet oder Ableger von Al Qaida sind, letztere womöglich sogar noch radikaler als Al Qaida selbst. Tatsächlich ist die führende Gruppe im Irak militanter als die von Pakistan und Afghanistan aus operierende Organisation. Ihre Anfänge liegen ebenfalls dort, wo sie zuerst als Al Qaida im Irak (AQI) firmierte; heute tritt sie als Islamischer Staat von Irak und Syrien (ISIS) auf.[1] Al Qaida selbst kritisierte ISIS, weil diese sich weigert, reibungslos mit anderen Teilen der sunnitisch geführten Opposition zu kooperieren, die Präsident Baschar al-Assads Regierung in Syrien bekämpft.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.