Mittlerweile ist klar, dass die Bürgerkriege in Syrien und im Irak zusammengehören. Beide Auseinandersetzungen sind komplex, doch während sie in den letzten Jahren immer erbitterter geführt wurden, nahmen sie zugleich immer sektiererische Züge an: Rebellierende sunnitische Kräfte, die im Clinch mit schiitischen und alawitischen Regierungen liegen, haben sich in Bagdad und Damaskus verschanzt. Und da in beiden Fällen keine Kompromisslösung erreichbar scheint, haben Radikale und Extremisten die Oberhand gewonnen – mit einem Netzwerk sunnitischer Islamisten, die entweder mit Al Qaida verbündet oder Ableger von Al Qaida sind, letztere womöglich sogar noch radikaler als Al Qaida selbst. Tatsächlich ist die führende Gruppe im Irak militanter als die von Pakistan und Afghanistan aus operierende Organisation. Ihre Anfänge liegen ebenfalls dort, wo sie zuerst als Al Qaida im Irak (AQI) firmierte; heute tritt sie als Islamischer Staat von Irak und Syrien (ISIS) auf.[1] Al Qaida selbst kritisierte ISIS, weil diese sich weigert, reibungslos mit anderen Teilen der sunnitisch geführten Opposition zu kooperieren, die Präsident Baschar al-Assads Regierung in Syrien bekämpft.
In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn.