Ausgabe Juli 2014

Karl Marx: Judenfeind der Gesinnung, nicht der Tat

War Marx Antisemit?

Im Zuge der in den letzten Jahren wieder gestiegenen Aufmerksamkeit für das Werk von Karl Marx, zuletzt massiv befördert durch das Buch von Thomas Piketty „Capital in the twentyfirst century“ (siehe dazu den Beitrag von Paul Krugman, Thomas Piketty oder Die Vermessung der Ungleichheit, in: „Blätter“, 6/2014, S. 71-81 ), taucht immer wieder die Frage nach dem Verhältnis des Marxismus zum Judentum auf – und speziell die Haltung von Karl Marx selbst. War Marx Antisemit? Diese Frage bejaht im Folgenden „Blätter“-Herausgeber Micha Brumlik, während in der kommenden Ausgabe sein Kollege, der Erziehungswissenschaftler und Soziologe Hauke Brunkhorst, entschieden widerspricht. – D. Red. 

Was des jungen Karl Marx‘ persönliche Haltung zum Judentum und zu den in Deutschland lebenden Juden betrifft, liegt alles, was man wissen muss, gut dokumentiert vor. Am 13. März 1843, kurz nach seiner Heirat und kurz vor seiner Emigration nach Paris, schreibt Marx aus Köln an Arnold Ruge in Dresden und beendet seinen Brief mit folgenden Worten: „Soeben kömmt der Vorsteher der hiesigen Israeliten zu mir und ersucht mich um eine Petition für die Juden an den Landtag und ich wills tun. So widerlich mir der israelitische Glauben ist, so scheint mir Bauers Ansicht doch zu abstrakt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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