Ausgabe September 2014

BIP: Das vermessene Wachstum

Wir steigern das Bruttosozialprodukt“ – so hieß es einst in einem Nummer-eins-Hit der 80er Jahre. Derzeit schwächelt die deutsche Wirtschaft jedoch: Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Doch die Rettung naht: Denn längst wird nicht mehr nur in die Hände gespuckt, um das volkswirtschaftliche Wachstum anzukurbeln. Stattdessen wird das Bruttoinlandsprodukt, das den Gesamtwert aller Güter angibt, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt werden, künstlich aufgebläht.

Ab Anfang September berechnet Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Union, die volkswirtschaftliche Leistung der EU-Freihandelszone anhand neuer Kriterien. Künftig werden europaweit auch die geschätzten Erträge aus Prostitution, Waffen- und Drogenhandel sowie Tabakschmuggel direkt zum Bruttoinlandsprodukt hinzugerechnet – also Bereiche, die bislang zur Schattenwirtschaft zählten.[1] Darüber hinaus definiert Eurostat laufende Ausgaben zu Investitionen um; Forschung und Entwicklung gelten fortan als eigenständige Wertschöpfung. Bislang galten diese Ausgaben vor allem als Vorleistungen und fielen deshalb aus der Berechnung des BIP weitgehend heraus.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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