Ausgabe September 2014

Seit hundert Jahren umkämpft: Die Kriegsschuldfrage

Ob am 3. August auf dem Hartmannsweilerkopf im Elsass oder am darauffolgenden Tag, dem Tag des deutschen Überfalls und eigentlichen Kriegsbeginns, im belgischen Lüttich: Erstmalig kam es in diesem Jahr zu gesamteuropäischem Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs. Dabei ist dieser in den anderen europäischen Ländern seit jeher sehr viel stärker präsent als bei uns: in England als „The Great War“, als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, ebenso bei den Belgiern. In Frankreich, das von den deutschen Armeen stärker als alle anderen kriegsführenden Länder verwüstet wurde, wird insbesondere am Tag des Waffenstillstands, dem 11. November 1918, der Gefallenen des „Grande Guerre“ gedacht. Dieses Gedenken in Trauer vereint in unserem Nachbarland alle politischen Kräfte von der Rechten bis zur Linken. Es ist Teil der nationalen Identität.

Anders in Deutschland: Ein vergleichbares, gemeinsames Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges hat es in Deutschland – bis zu diesem Jahr – eigentlich nie gegeben. Vor dem Hintergrund von zwei Millionen toten deutschen Soldaten tobte in Deutschland stattdessen schon gleich nach dem Ersten Weltkrieg eine hasserfüllte Auseinandersetzung über zwei zentrale Fragen dieses Krieges, nämlich erstens über die Frage der Kriegsschuld und zweitens über die Ursachen der Niederlage bzw.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema