Ausgabe Januar 2015

Von der Gesellschaftssteuerung zur sozialen Kontrolle

Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Soziologie in Theorie und Praxis

Als ich anfing, Soziologie zu studieren, im Jahr 1966, habe ich mir das Fach mehr oder weniger als wissenschaftliche Anleitung zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse vorgestellt. Im Hintergrund meiner Entscheidung für die Soziologie stand eine Überzeugung, die sich irgendwie in den Teilen meiner Generation verbreitet hatte, die später die „68er“ genannt werden sollten: dass die demokratischen Freiheiten, die sozialen Rechte der „kleinen Leute“ und die neue Friedfertigkeit der damaligen Gesellschaft prekär waren und verteidigt werden mussten; dass dies von den damals Regierenden nicht unbedingt zu erwarten war; und dass ohne breite politische Beteiligung von unten die Katastrophen der nahen Vergangenheit, die man nicht mehr miterlebt hatte, deren Spuren aber noch überall zu besichtigen waren, sich wiederholen könnten. Von der Soziologie insbesondere erhoffte man sich Aufklärung über den tatsächlichen Charakter der Gesellschaft, in der man lebte: über das, was einem von denen, die Bescheid wussten, verschwiegen wurde, und darüber, welche Kräfte einer besseren Zukunft im Wege standen und wie man mit diesen fertig werden konnte – ein Wissen, das man an diejenigen weitergeben wollte, die noch keinen Zugang zu ihm hatten.

Sie haben etwa 2% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 98% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Kampfplatz Berlin: Die dämonisierte Linkskoalition als Türöffner für die AfD

von Albrecht von Lucke

Wahrscheinlich wird es für immer ein Geheimnis bleiben, was am Abend der Berlin-Wahl am 20. September Issa Remmo, Clan-Chef und zentrale Größe der organisierten Kriminalität in Berlin, veranlasste, auf der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei aufzulaufen.

Hochglanz und Unterdrückung: Das neue Ägypten

von Hannah El-Hitami

Wer heute in Downtown Kairo unterwegs ist, bewegt sich durch eine Welt voller Kontraste. Eine junge, internationale und kreative Szene breitet sich hier in einem staubig-chaotischen Stadtteil aus, der sonst eher von Traditionsbetrieben und Straßenmärkten mit lokalen Produkten geprägt ist.

Sahel: Falsche Hoffnung in Putschisten

von Roger Peltzer

In der Juni-Ausgabe analysierte Olaf Bernau die Entwicklungen in den drei von Militärjuntas regierten Sahelstaaten Burkina Faso, Mali und Niger als einen in der westlichen Öffentlichkeit verkannten tiefgreifenden Umbruch in der Region, getragen von einer Politik der Hoffnung. Roger Peltzer sieht darin eine gefährliche Rechtfertigung antidemokratischer Regierungen.