Ausgabe Februar 2016

Zeitenwende in Venezuela

Venezuela steht vor einem Einschnitt, der weit über die Landesgrenzen hinaus Symbolwirkung entfalten wird. Die vernichtende Wahlniederlage der sozialistischen Regierungspartei PSUV markiert für Präsident Nicolás Maduro aller Voraussicht nach den Anfang vom – verfrühten – Ende seiner Amtszeit. Er hatte sein Mandat 2013 nach dem Tod seines politischen Ziehvaters Hugo Chávez mit knapper Mehrheit errungen und müsste sich regulär eigentlich erst 2019 Neuwahlen stellen. Jedoch ermöglicht es die überaus demokratische „chavistische“ Verfassung von 2000, jeden gewählten Amtsträger – in Exekutive und Judikative – nach der Hälfte seiner Amtszeit durch ein Referendum abzuberufen. Das gilt auch für den Präsidenten.[1] Dieses Schicksal könnte Maduro nun bereits im April dieses Jahres blühen. Denn bei der Parlamentswahl am 6. Dezember 2015 eroberte die vereinte bürgerliche Opposition Mesa de la Unidad Democrática (MUD) 56 Prozent der Stimmen und zwei Drittel der Sitze. Damit verfügt sie über die nötige Mehrheit, um das Plebiszit anzuberaumen.

Der Wahlsieg der Opposition kam keineswegs unerwartet, wenngleich die Höhe des Ergebnisses überraschte. Jedoch dürft es verfrüht sein, darin bereits das Ende des Chavismo auszumachen.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema