Ausgabe August 2017

Menschenrecht vor Staatsgewalt

Ernst Bloch als Kritiker der Oktoberrevolution

Bild: Ernst Bloch (Bundesarchiv, Bild 183-35545-0009 / CC-BY-SA 3.0, cropped)

Die russische Revolution von 1917 und ihre Wirkungsgeschichte haben das Werk und die politische Philosophie von Ernst Bloch (8. Juli 1885 bis 4. August 1977) nachhaltig beeinflusst. Mitte der 1930er Jahre äußerte sich Bloch im Prager Exil mit mehreren Artikeln zu den zwei Moskauer Prozessen von 1936 und 1937.[1] Diese in der „Neuen Weltbühne“ veröffentlichten Texte – die später in einer teilweise unvollständigen bzw. veränderten Edition bei Suhrkamp erschienen – haben in den 1970er Jahren zu heftigen Diskussionen geführt. Bis in jüngste Zeit wird Bloch wegen dieser Artikel immer wieder in die Nähe des Stalinismus gerückt.[2]

Auch wenn diese Texte ohne Zweifel Äußerungen enthalten, die nicht zu entschuldigen sind, so können sie nur zeitbedingt verstanden werden. Denn Ernst Bloch war einer der Ersten, der die Gefahr des Faschismus frühzeitig erkannte und analysierte.[3] Diese Gefahr hat ihn – trotz seiner scharfen Kritik an Theorie und Praxis der kommunistischen Parteien – näher an die Seite des Parteikommunismus gerückt, ohne den ein Volksfrontbündnis gegen die Nazis nicht denkbar gewesen wäre. Blochs Äußerungen sind daher stets im Kontext des Vormarsches des Faschismus in Europa zu sehen.[4] Welche Macht würde dem Faschismus noch Einhalt gebieten können? Das war die bange große Frage im Exil.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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