Ausgabe Mai 2017

Who cares? Teil II

Die Ausbeutung der Sorgearbeit im neoliberalen Kapitalismus

Gemälde Hausfrau

Bild: Public Domain

Auf den Zusammenbruch des liberalen Wettbewerbskapitalismus folgte der staatlich regulierte Kapitalismus. Dieser erwuchs aus den Trümmern der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs und verschleierte den Widerspruch zwischen ökonomischer Produktion und sozialer Reproduktion auf ganz andere Weise als das vorherige Kapitalismusregime – nämlich, indem er die Staatsmacht verpflichtete, sich zugunsten der Reproduktion zu engagieren. Die Staaten übernahmen in dieser Ära ein gewisses Maß an öffentlicher Verantwortung für die „soziale Wohlfahrt“. Dadurch suchten sie der zerstörerischen Wirkung nicht nur der Ausbeutung, sondern auch der Massenarbeitslosigkeit auf die soziale Reproduktion entgegenzuwirken. Dieses Ziel machten sich sowohl die demokratischen Wohlfahrtsstaaten der kapitalistischen Kernzone als auch die unabhängig gewordenen Entwicklungsländer der Peripherie zu eigen – ungeachtet der ganz unterschiedlichen Fähigkeiten, es zu erreichen.

Die Motive waren dabei auch diesmal gemischt. Ein Teil der aufgeklärten Eliten war zu der Überzeugung gelangt, dass das kurzfristige Interesse des Kapitals, maximale Profite zu erzielen, den längerfristigen Erfordernissen einer dauerhaften Akkumulationssicherung untergeordnet werden müsse.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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