Ausgabe August 2018

Links, gerecht – und postmodern!

Bild: Public Domain

Seit der Wahl Donald Trumps steht die universitäre westliche Linke massiv in der Kritik, als postmodern identitätsbesessen und zugleich gerechtigkeitsvergessen. Dagegen argumentiert energisch der Rechtswissenschaftler Andreas Fischer-Lescano.

Ähnlich wie bereits Mark Lilla hat nun auch Albrecht Koschorke die akademische Linke ins Visier genommen.[1] Glaubt man dem Literaturwissenschaftler, liegt sie normativ in Schutt und Asche. Insbesondere die durch den französischen Philosophen Jacques Derrida begründete Dekonstruktion habe die Selbstdemontage europäischer Denktraditionen auf die Spitze getrieben. Die dekonstruktive Infragestellung von Wahrheit, die mittlerweile an den europäischen Universitäten vorherrsche, habe den Weg zum „postfaktischen Zeitalter“ geebnet, in dem sich Ethnonationalisten und Rechtspopulisten mit „anarchistischer Zerstörungsfreude“ daran machten, die Abrissarbeiten der Postmoderne zu beenden. Stephen Bannons Formulierung, dass der amerikanische Staat „dekonstruiert“ gehöre, sei nur die Konsequenz einer linksalternativen Demokratie- und Ideologiekritik, die im Schatten der liberalen Ordnung gedeihen konnte, ohne sich darüber zu vergewissern, wie man die kritisierten Institutionen gegen Kritik von rechts verteidigen könne und auf welcher normativen Grundlage dies geschehen solle.

Scharfe Worte.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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