Ausgabe Februar 2018

Iran: Das gespaltene Regime

Ende Dezember kam es in zahlreichen iranischen Städten zu regimekritischen Protesten. Bei gewaltsamen Zusammenstößen verloren mehr als 20 Menschen ihr Leben, rund 3000 Demonstranten wurden festgenommen. Zwar gelang es dem Regime, die Unruhen durch ein massives Sicherheitsaufgebot vorerst einzudämmen. Doch das politische Establishment des Landes befindet sich seither in Alarmstellung – und erweist sich als tief gespalten.

In den ausländischen Medien sehen manche gar einen „Persischen Frühling“ heraufziehen. Denn ähnlich wie zu Beginn des Arabischen Frühlings Ende 2010 entzündeten sich die Unruhen in Iran an den gestiegenen Lebensmittelpreisen. Vor allem aber bringen die Proteste eine in der Gesellschaft weitverbreitete Unzufriedenheit zum Ausdruck. Der Unmut der Bevölkerung gilt in erster Linie der wirtschaftlichen Notlage, aber auch der ausufernden Korruption und dem Amtsmissbrauch der politischen Eliten: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise für Grundnahrungsmittel oder Benzin steigen immer weiter, während das Regime munter in die eigene Tasche wirtschaftet.

Zunehmend gerät dabei nicht nur die Regierung Hassan Rohanis, sondern auch das gesamte religiöse Establishment in den Fokus der Kritik. Viele Iraner assoziieren mit dem korrupten System die religiösen Institutionen und jene Führer im Lande, die beanspruchen, den Islam zu verkörpern.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema