Ausgabe Juni 2018

Tribut für China: Die neue eurasische Weltordnung

Erst die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem, dann die Ausrufung des Handelskrieges gegen China und – wenn auch mit Aufschub – gegen Europa und schließlich die Aufkündigung des Iran-Abkommens: Es vergeht kein Tag, an dem der US-Präsident Donald Trump die Welt – und vor allem den europäischen Teil des Westens – nicht mit seinen scheinbar völlig unkalkulierbaren Handlungen in Panik stürzt.

Allerdings sollten wir es uns als „gesittete Europäer“ keineswegs zu einfach machen. Trump mag zwar ungebildet und unzivilisiert sein, aber keineswegs blöd und er hat zumindest verstanden, was ihm seine Berater als Kernbotschaft vermittelt haben: Die USA stehen heute vor dem klassischen Dilemma zwischen dem Positionsverlust als führende Wirtschaftsmacht und dem Statusverlust als liberale Ordnungsmacht. Wollen sie ihren Status behaupten und weiter die Fahne des großzügigen Liberalismus global hochhalten, verlieren sie ihre Position als Wirtschaftsmacht. Dann erwirtschaften sie, gemessen am Aufwand, immer weniger jener Ressourcen, die eigentlich notwendig sind, um ebendiesen Status zu bewahren.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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