Ausgabe Mai 2019

Mit der Bibel für Bolsonaro

Die Macht der brasilianischen Pfingstkirchen

Die Zentrale der Igreja Universal do Reino de Deus, der Universalkirche des Gottesreiches (IURD) hat wenig Ähnlichkeit mit den Megakirchen nordamerikanischen Typs. Ihre 18 Stockwerke stellen die großen Kästen, die man aus Vororten amerikanischer Großstädte, etwa in Texas oder Missouri, kennt, bei weitem in den Schatten. Hinter säulenbestückten Mauern aus importiertem Granit und Marmor findet man sich in einem 10 000-Plätze-Gotteshaus wieder und sieht weder Kreuze noch Orgeln, sondern die überdimensionale Darstellung einer Menora, eines siebenarmigen Leuchters also, die sich vom Eingang bis hin zur Kanzel erstreckt. Männer in Schals und Kappen, die stark an jüdische Gebetsmäntel und Kippas erinnern, widmen sich religiösen Zeremonien neben hebräisch beschrifteten Dekalogstafeln und einer vergoldeten Bundeslade. Das gigantische Bauwerk ist als vergrößerte Reproduktion des biblischen Salomo-Tempels gedacht, gleicht allerdings eher einem Cäsarenpalast.

Doch wir befinden uns hier in São Paulo, nicht in Las Vegas oder Jerusalem, und die Darsteller sind pfingstkirchliche Pastoren und nicht etwa Rabbis. Genauer gesagt handelt es sich um neu-pfingstlerische Pastoren, die ein synkretistisches Gebräu ausschenken, eine Mixtur aus Reichtumsverherrlichung, Millenarismus, Wunderheilung, Geisterbeschwörung und Exorzismus.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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