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Niederlande: Populismus mit intellektuellem Anstrich

Die Niederländer haben sich schnell gewöhnt an ihren rechten Senkrechtstarter. Als das Forum für Demokratie (FvD) von Parteichef Thierry Baudet gleich bei seinen ersten Europawahlen im Mai aus dem Stand 10,9 Prozent holte, werteten Medien, Politiker und viele Bürger das als Überraschung: Eigentlich hatte man der Partei deutlich mehr zugetraut.

Zwar wiederholte sich damit ein aus den Niederlanden schon länger bekanntes Phänomen: Die Rechtspopulisten führen oft die Umfragen an, gehen am Wahltag aber nicht als Sieger vom Feld. Schon 2014 bescherte eine verstärkte pro-europäische Mobilisierung der liberalen D66 den ersten Platz in der Wählergunst. Dieses Jahr begünstigte sie die sozialdemokratische PvdA, die überraschend stärkste Kraft wurden – wohl auch, weil sie mit Frans Timmermans den Spitzenkandidaten der europäischen Sozialisten stellten.

Das ändert aber nichts daran, dass Baudets Partei einen geradezu kometenhaften Aufstieg hingelegt hat. So avancierte das FvD im März bei den Wahlen der zwölf Provinzparlamente zur stärksten politischen Kraft im Land und stellt seitdem in der Ersten Kammer, dem Senat, eine der beiden großen Fraktionen. Nicht nur dieser Wahlerfolg hat gezeigt: Thierry Baudet ist in nur drei Jahren zu einer wichtigen politischen Größe in den Niederlanden geworden.

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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