Ausgabe Januar 1990

Grünwärts

- Sprünge über die Mauern im Kopf

Der Wandel in Osteuropa ist ein Epochenwechsel von weltgeschichtlicher Bedeutung. Einzigartig an ihm ist besonders sein Tempo. Die informationelle Weltgesellschaft verschafft zunächst kleinen und lokalen Veränderungen einen solch ungeheuren Resonanzboden, daß ihre Aus- und Rückwirkungen eine exponentielle Steigerung und Beschleunigung erfahren. Kein Wunder, wenn das Nach-Denken da zum Hinterher-Denken wird. Zumal die wirkliche Geschichte weniger denn je der Verwirklichung leidlich gesicherter Weltbilder zustrebt. Daran gemessen erweisen sich die Ideen der Grünen und Alternativen als erstaunlich stabil - wohl weil sie schon lange nicht mehr an einem "System" hängen.

Ökologie, Demokratisierung, Dezentralität, Pazifismus nach Innen und Außen - all das erfahrt teils ungeahnte, teils geahnte Aufschwünge. Radikale Ansätze werden über Nacht zu realpolitischen Forderungen (und umgekehrt). Leider befindet sich gleichzeitig die Partei die Grünen in einer stillen, aber tiefen Krise. Es geht um die Lebendigkeit des Grünen P r o j e k t s - noch nicht um das Überleben der Grünen P a r t e i. Nie war die Kluft zwischen Grünen Möglichkeiten und Grünen Wirklichkeiten so groß. Das erklärt sich nicht ohne analytische Blicke nach Osten, über die Mauer und in die Partei. Die Welt wälzt sich um.

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