Ausgabe Mai 1990

Eine Kultur des Widerstands

I

Ulrike: Die vierzig Jahre sind natürlich an den Menschen in der DDR nicht spurlos vorübergegangen. Die Menschen sind dadurch geprägt. Durch die spezifischen Erfahrungen mit einer Kommandowirtschaft, mit einem autoritären Regime, mit einer Bürokratie, mit einem Staatssicherheitsapparat, der bis in alle Bereiche der Gesellschaft hinein regiert hat und eine Atmosphäre der Angst und der Verunsicherung, des Mißtrauens, erzeugt hat. Und diese Erfahrungen sind, glaube ich, das, was die DDR-Bürger mit einbringen, auch in das neue Deutschland. Diese Erfahrungen könnten, wenn man das positiv werten möchte, auch ein Fundament sein, um künftig ähnliche Entwicklungen zu verhindern. Vorausgesetzt, wir haben die Fähigkeit, diese Erfahrung aufzuarbeiten, zu analysieren, uns der Vergangenheit zu stellen, herauszufinden, wie war es möglich, um Ansätze einer Wiederholung solcher Strukturen im Keim zu verhindern.

Gerd: Das überraschende Resultat der DDR ist für mich, daß es einem total erniedrigten Volk gelungen ist, wenn auch nicht ganz allein, diese Strukturen von innen heraus zu verändern. Das Ergebnis ist nun allerdings die Abschaffung der DDR, was nicht den Intentionen der Opposition entspricht. Es ist das Resultat von verschiedenen Ereignissen.

Mai 1990

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