Ausgabe April 1991

Raus aus der Nische?

Seit Ludwig Erhard aus der Plüschecke des deutschen Wohnzimmers den satten Bürgerspruch getan hat "Wir sind wieder wer", ist immer wieder mal aus dem einen oder anderen Anlaß das Ende der Nachkriegszeit festgestellt worden. Im vergangenen Jahr war es mit der europäischen Wende und mit der deutschen Einheit endgültig gekommen.

Doch erst die Golfkrise hat deutlich gemacht, welch tiefgreifende Umwertungen von Werten durch die Ereignisse des vergangenen Jahres in Gang gesetzt worden sind. Uns Deutschen hat die Golfkrise verdeutlicht, daß es für uns außenpolitisch nun nicht einfach so wie bisher, nur bei allem etwas bequemer, weitergehen kann, sondern daß wir uns zu Neuem Neues einfallen lassen müssen. Der neu erkennbare Zustand der Westeuropapolitik wird durch das Wort des Präsidenten der EG-Kommission, Jacques Delors, beschrieben, die Golfkrise habe die politische Bedeutungslosigkeit der EG offenbart.

So ist es. Die Anti-Irak-Allianz wird von der unverbrüchlichen amerikanisch-britischen "special relationship" getragen. Politisch liegt heute der Ärmelkanal zwischen Großbritannien und den USA und der Atlantik zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. Die in Jahrzehnten geschmiedete deutschfranzösische Zusammenarbeit war in der Golfkrise suspendiert.

April 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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