Ausgabe Februar 1991

Freie Fahrt in den Verkehrsinfarkt

Seit langem fordern Umweltschutzverbände und alternative Verkehrsclubs die Anwendung des Verursacherprinzips im Verkehrswesen. Erst über eine spürbare Verteuerung insbesondere des LkwGüterverkehrs und des motorisierten Individualverkehrs ließe sich einerseits - soweit überhaupt möglich - die Reparatur der dadurch angerichteten Umweltschäden finanzieren und andererseits das Straßenverkehrsaufkommen insgesamt reduzieren. Die seit Dezember letzten Jahres von den Koalitionsparteien diskutierte Einführung einer allgemeinen Autobahngebühr nach Schweizer Vorbild hätte m.E. keinen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten können. Dafür wäre nämlich zunächst die Belastung der Autofahrer (100 DM pro Jahr) bzw. Spediteure (2000 DM pro Lkw und Jahr) viel zu gering.

Zweitens würde die Abgabe nicht dazu anregen, weniger zu fahren, sondern allenfalls ein geringfügiges Ausweichen auf gebührenlose Bundes- und Landesstraßen bewirken. Und drittens sollten die mit der Abgabe erzielten Mehreinnahmen (5 bis 6 Mrd. DM jährlich) in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, zu einem guten Teil also in den Straßenbau, investiert werden, was aller Erfahrung nach zusätzlichen Verkehr auf die Straße bringen müßte Das aber käme einer verkehrs- und umweltpolitischen Katastrophe gleich.

Februar 1991

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.