Ausgabe Juli 1991

Südkorea: Das beschädigte Modell

Am 26. April prügelten Sondereinheiten der Polizei, die speziell zur Bekämpfung von "Aufrührern" ausgebildeten Paegoldan, den 20jährigen Studenten Kang Kyung Dae zu Tode. Dies Ereignis gilt allgemein als Auslöser der wochenlangen landesweiten Unruhen. Hinter den Demonstrationen gegen Präsident Roh stehen weit mehr als Trauer um den Tod Kangs und öffentliche Empörung über das "exzessive Vorgehen der Polizei" ("Korea Herald"). Roh, ein Zögling und langjähriger Vertrauter seines Vorgängers (und mittlerweile geächteten Diktators) Chun Doo Hwan, ist in eine tiefe (Legitimations-)Krise geschlittert, die möglicherweise den Anfang seines Endes markiert.

Freie Marktwirtschaft auf Kommando?

Ob Südkorea den Entwicklungstheoretikern unterschiedlicher Couleur als beispielhaft oder als Ausnahmefall erscheint - es bleibt ein Paradox: Vormals realsozialistsche Ökonomien hätten hier zünftige Lehrmeister gefunden und Marktwirtschaftler den freien Fall ihrer Lehren und Ideologien erlebt.

Tatsächlich hat Südkorea seit der Verkündung seines 1. Fünfjahresplans zu Beginn der 60er Jahre eine beispiellose Entwicklung durchlaufen, die den vormals extrem rückständigen Agrarstaat in eines der führenden Industrieländer verwandelte.

Juli 1991

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.