Ausgabe März 1991

Wer hat den Irak aufgerüstet?

Eine vorläufige Verursacher- und Schadensbilanz

Seit August 1990 wird die deutsche Hilfe beim Aufbau der irakischen Militärmacht kritisch beleuchtet und bildet einen Schwerpunkt der Debatte um Rüstungsexporte in den Irak. Die Liste der Staaten, die Waffen in den Irak geliefert haben, ist allerdings lang. Darunter sind Ägypten, Argentinien, Brasilien, die BRD, China, die DDR, Frankreich, Großbritannien, Italien, Jordanien, Jugoslawien, Kuwait, Libyen, Polen, Spanien, der Sudan, die Tschechoslowakei, die UdSSR, Ungarn und die USA 1).

Wenn auch der Umfang der Lieferungen unterschiedlich ist, so wird doch deutlich, daß viele an dem Geschäft mit dem Irak profitierten. Für eine Betrachtung, welcher Stellenwert der BRD tatsächlich zukommt, muß zwischen zwei Exporttypen unterschieden werden: Zum einen sind die Exporte von Waffensystemen, zum anderen die Exporte von Technologien oder anderen Produkten und Dienstleistungen zu betrachten, die, obschon ursprünglich "zivil", militärisch verwendbar sind. Die US-amerikanischen ACDA (Arms Control and Disarmament Agency) verzeichnet für die Jahre 1984-1988 Rüstungsexporte der UdSSR an den Irak in Höhe von 15,4 Mrd. US-Dollar, was über die Hälfte der Rüstungsimporte des Irak abdeckte. Es folgen Frankreich mit 3,1 Mrd., China mit 2,8 Mrd., Polen mit 750 Mio. Dollar. Die BRD ist mit Rüstungsexporten in Höhe von 675 Mio. Dollar gleichauf mit der CFSR, auf Platz 5 zu finden.

März 1991

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Iran: Das geopolitische Erdbeben

von Franziska Fluhr

Noch im Januar beherrschte der USA-Iran-Konflikt die Überschriften der internationalen Berichterstattung. Nun aber ist der Konflikt durch die Corona-Pandemie nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Daraus zu schließen, die Auseinandersetzungen hätten sich beruhigt, wäre nicht nur naiv, sondern auch fatal. Denn das Gegenteil ist der Fall.