Ausgabe Mai 1991

Rhetorik statt Reform.

Deutsche Rüstungsexporte und Novellierung der Ausfuhrbestimmungen

Am 22. März 1991 verabschiedete der Deutsche Bundestag nach einem nur sechs Wochen dauernden Gesetzgebungsverfahren neue Gesetzesvorschriften, mit denen Rüstungsexporte erschwert und die Hilfe bundesdeutscher Unternehmen bei der Waffenproduktion in Staaten der Dritten Welt verhindert werden sollen. Mit dieser neuerlichen Gesetzesnovellierung wurde auf die im Zusammenhang mit dem Golfkrieg vorgebrachten Anschuldigungen reagiert, bundesdeutsche Unternehmen hätten wesentlich zur Aufrüstung des Irak beigetragen 1). Dabei war die letzte Gesetzesnovelle gerade erst einige Monate alt. Sie trat am 11. November 1990 in Kraft, nachdem fast zwei Jahre lang um den endgültigen Wortlaut gerungen worden war. Auslöser für beide Gesetzesnovellierungen waren öffentliche Anschuldigungen von befreundeten Regierungen 2) gewesen, bundesdeutsche Unternehmen seien an dem Aufbau von C-Waffen-Arsenalen in Staaten der Dritten Welt (Libyen, Irak) beteiligt. Deshalb wird sich dieser Beitrag vor allem auf die Problematik chemischer Waffen beziehen.

1. Die bundesdeutschen Exportbestimmungen

Ein Grundmerkmal der Außenwirtschaftsgesetzgebung in der Bundesrepublik besteht darin, daß der Export von Waren grundsätzlich frei ist, was auch im Außenwirtschaftsgesetz ausdrücklich betont wird. Ausnahmen von der Ausfuhrfreiheit bestehen lediglich bei Handlungen, "die geeignet sind, 1.

Mai 1991

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Putins Kriegswirtschaft: Propaganda und Realität

von Michael R. Krätke

Zu den ständig wiederholten Propagandalügen des russischen Regimes gehört die Behauptung, Russlands Wirtschaft werde von den Sanktionen des Westens kaum berührt. Viele glauben das, weil die Ankündigung, die Sanktionen würden Russland in kürzester Zeit in die Knie zwingen, nicht eingetroffen ist.

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.

Libanon: Letzte Hoffnung Trump?

von Kristian Brakel

Seit Anfang März tobt im Libanon die x-te Auflage des jahrzehntealten Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Während die Weltöffentlichkeit gebannt verfolgt, wie Donald Trump die militärische Projektionskraft der USA am Golf verspielt, erregt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah weit weniger Aufmerksamkeit.