Ausgabe Oktober 1991

Neue Bedrohungen aus dem Osten?

Die NATO in der veränderten Mächtekonstellation

Himmelhoch jauchzend über das Ende des Putsches, zu Tode betrübt über den Zerfall der Sowjetunion - so die durchgängige Stimmungslage. Die Warnungen vor einer "Osmanisierung", Libanisierung" oder "Balkanisierung" mit einer "vollkommen zusammenbrechenden Ökonomie, der Bildung einer Gruppe schwacher, instabiler, rückwärtsgewandt-autoritärer, doch in der Regel gut bewaffneter staatlicher Einheiten mit permanent sich ändernden und immer in Frage gestellten Grenzen" 1) scheinen sich nun zu bewahrheiten. Derartige Katastrophenszenarien finden bei Konservativen und Linken gleichermaßen Widerhall.

Schlägt der Nationalismus auf jene zurück, die sich vorzeitig den Sieg im Systemwettbewerb beurkundet hatten? Wird den desillusionierten Linken wenigstens die zynische Genugtuung zuteil, daß der Abschied vom realen Sozialismus seinen Preis hat? Aktuell werden destabilisierende Wirkungen vornehmlich erwartet aus der Desintegration des Wirtschaftsraumes, aus dem möglichen Aufflammen von Nationalitätenkonflikten, der Renationalisierung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit Gefährdungen für die Rüstungskontrolle und aus der ungeklärten Kontrolle über die sowjetische Militärmacht, insbesondere über die Atomwaffen.

Oktober 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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