Ausgabe Januar 1993

Kurdische Fronten

Ankaras geduldeter Krieg und die Folgen

Daß es die Kurden gibt, ist der breiten Weltöffentlichkeit wohl erst nach dem Golfkrieg bewußt geworden, als Hunderttausende in den verschneiten Bergen der türkischen und iranischen Grenzregion Zuflucht vor den Schergen Saddam Husseins suchten, der zuvor den kurzlebigen Kurdenaufstand im Nordirak niedergeschlagen hatte.

Inzwischen ist es wieder ruhig um das 20-Milllionen-Volk geworden.

Spätestens als die Nachricht eines neuen Bruderkrieges zwischen den irakischen Kurden und den Guerillas der in der Türkei kämpfenden "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) um die Welt ging, hatten sich die meisten Kurdenfreunde abgewandt, war die Mitleidsdividende für das Kurdenvolk endgültig eingelöst worden. Was genau zu diesem Bruderkrieg geführt hat, ist aber bislang noch kaum aufgeklärt worden. Im Vorzimmer des Innenministers Rosch Shawais ging es so lebhaft zu, wie in nahezu allen Vorzimmern nahöstlicher Prominenz. Männer in grauen und schwarzen Anzügen hoben sich ab von solchen in der traditionellen grün-khaki-farbigen Uniform der "Peshmergas", der kurdischen Kämpfer, die wörtlich "den Tod nicht fürchten". Diplomatenkoffer hielten die einen, Gebetskränze die anderen in der Hand.

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