Ausgabe August 1994

Das Land sind wir

Dr. Oetkers neues Volksbindemittel

Vor knapp fünf Jahren noch gingen sie auf die Straße und riefen "Wir sind das Volk". Jetzt sitzen die meisten von ihnen auf der Straße und diejenigen, die sie dort hingesetzt haben, wollen in Presse, Funk und Fernsehen laut und unmißverständlich anzeigen: "Das Land sind wir." Eine - laut Selbstaussage - Prominenteninitiative namens "Wir für Deutschland e.V." ist angetreten, um - Springer und Pro 7 waren die ersten, die das gratis drucken und senden - allem und jedem kundzutun, wem dieses Land gehört: Dies ist unser Land, und wir können stolz drauf sein. So schön ist das Land, es soll unsere Heimat sein.

So singt, beziehungsweise läßt singen der Vorsitzende des Vorstandes der Kaufhof Holding AG Köln zusammen mit dem - bis letztes Jahr - Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Treuhandanstalt und dem Aufsichtsrat, respektive Beirat der Hapag-Lloyd AG, Hamburg, der Albingia Lebensversicherungs-AG, Hamburg, und der Euro Disney S.A., Paris, mit dem Präsidiumsmitglied im Hauptverband des Deutschen Einzelhandels und dem Präsidiumsmitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels e.V.

August 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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