Ausgabe August 1994

Globalisierung oder Blockbildung?

Zur Struktur kapitalistischer Internationalisierung

Als das wichtigste Kennzeichen des gegenwärtigen Kapitalismus gilt vielfach das hohe Niveau und die anhaltende Dynamik seiner Internationalisierung. Seit Beginn der 50er Jahre wächst der internationale Handel schneller als die Weltproduktion; er umfaßt mehr und mehr auch den Dienstleistungssektor. Seit den 70er Jahren wird auch die Produktion zunehmend international betrieben: die ausländischen Direktinvestitionen nahmen noch sehr viel schneller zu als der Welthandel: Sie stiegen von knapp 40 Mrd. US-Dollar im Durchschnitt der Jahre 1976 bis 1980 auf fast das Fünffache (187 Mrd. US-Dollar) im Durchschnitt der Jahre 1990 bis 1993 1). Große multinationale Konzerne betätigen sich in allen Teilen der Welt und betreiben die globale Optimierung ihrer weltweiten Beschaffungs-, Produktions- und Vertriebsstrategien. Schließlich das Geldkapital: Es ist am Finanzplatz London ebenso zu Hause wie in Tokio und New York, und dank moderner Technik werden Hunderte von Milliarden Dollar in Minutenschnelle von einem Teil der Erde zum anderen verschoben. Moderner Kapitalismus ist g l o b a l e r Kapitalismus. Der Begriff ist jedoch weniger klar, als es zunächst den Anschein hat, und die mit ihm meist verbundene Vorstellung weltweiter Verflochtenheit und Interdependenz weicht erheblich von der Realität ab 2).

August 1994

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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