Ausgabe Dezember 1994

Unternehmenskonzentration in Deutschland

Marktradikale Wirtschaftstheorien behaupten, daß der Wettbewerb selbständiger Unternehmen zu größtmöglicher wirtschaftlicher Dynamik, zur Lenkung von Geld, Arbeitskräften und Produktionsmitteln in die effizientesten Verwendungen und zur bestmöglichen Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen führe. Sie unterstellen dabei, daß Unternehmen keine Marktmacht haben und daher ihre eigenen Interessen an maximalen Gewinner, längerfristig nicht auf Kosten der Gesellschaft verfolgen und durchsetzen können. Diese Annahme ist jedoch in hohem Maße unrealistisch.

Zwar herrscht auf einzelnen Märkten erbitterte Konkurrenz, und auf wenigen Märkten, z. B. bei Computern, wird sie auch - noch mit Qualitätssteigerungen und Preissenkungen ausgetragen. In den meisten Bereichen gibt es jedoch eine überschaubare Zahl fahrender Unternehmen, die Märkte nicht in erster Linie hinnehmen müssen, sondern selbst aktiv gestalten, vielfach sogar einzeln oder im Verbund mit anderen beherrschen können. Diese faktische Gestaltungsmacht beruht in der Regel auf Wirtschaftlicher Konzentration, das heißt Ansammlung großer Mengen von ökonomischen Ressourcen bei verhältnismäßig wenigen Unternehmen.

Dezember 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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