Ausgabe Juni 1994

Eingemeindet

Die Verantwortung von Wissenschaftlern für die gesellschaftlichpolitischen Folgen ihrer Tätigkeit war ein klassisches Thema der Literatur der 60er Jahre. Dabei stand durchaus zu Recht die Frage nach der persönlichen Schuld und den individuellen Handlungsmöglichkeiten in der Zeit des Faschismus im Mittelpunkt, denn angesichts der Legenden, die Hitlers Rüstungsexperten nach dem Krieg über ihre Taten präsentierten, war die Frage nach dem "Wie war es wirklich" von aktueller Bedeutung. Wenn dieses Thema heute im Mittelpunkt eines "dokumentarischen" Fernsehfilms steht, so ist zu fragen, ob die alte Herangehensweise neue Erkenntnisse zutage fördern kann.

Gewiß bietet der Zweiteiler von Wolfgang Menge Das Ende der Unschuld von 1991 (am 10. und 16.4. im Ersten schon zum zweitenmal ausgestrahlt) einige vielleicht neue Fakten zur Beantwortung der Frage, warum Hitler den Bau der Atombombe nicht geschafft hat, und geht mit berühmten Leuten hart ins Gericht (etwa mit C. F. von Weizsäcker, der sich prompt in der "Zeit" über die "Irreführung des Publikums" beklagen durfte). Es mag sich wirklich so zugetragen haben, daß die Amerikaner den Wettlauf nur deswegen gewannen, weil es in Deutschland zwei konkurrierende Teams gab, weil Hitler sich auf die Raketentechnik versteift hatte oder weil es im letzten Moment an ein paar Kilo Uran fehlte.

Juni 1994

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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