Ausgabe März 1994

IWF und Weltbank unter Reformdruck

Ein halbes Jahrhundert nach Bretton Woods

In seinem ebenso aufsehenerregenden wie umstrittenen Aufsatz "The Clash of Civilizations" prognostiziert der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein verheerendes Abstimmungsergebnis in der Dritten Welt: Würden die "Non-Westerners" wirklich einmal nach ihrer Meinung gefragt, "würde der IWF zweifellos die Zustimmung der Finanzminister und einiger anderer finden, doch bei der übergroßen Mehrheit würde er sehr schlecht abschneiden; diese wäre wahrscheinlich mit Georgy Arbatow einer Meinung, der die IWF-Beamten als 'Neo-Bolschewisten' kennzeichnete, die es lieben, anderer Menschen Geld zu enteignen, ihnen undemokratische und fremdartige wirtschaftliche und politische Verhaltensregeln aufzuzwingen und die ökonomische Freiheit zu ersticken" 1).

Das Beispiel charakterisiert durchaus zutreffend die paradoxe Situation, in der sich der Internationale Währungsfonds und die Weltbank ein halbes Jahrhundert nach der Konferenz von Bretton Woods, auf der sie 1944 aus der Taufe gehoben wurden, befinden: Im Zenit ihrer Machtentfaltung (gegenüber dem Süden und neuerdings auch gegenüber dem Osten) sind die Bretton-Woods-Zwillinge so unpopulär wie nie zuvor.

März 1994

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Dividenden statt Investitionen

von Aurora Li, Michael Peters, Uwe Zöllner

Ob bei der Wasserversorgung, in der Pflege oder im Gesundheitssektor: Bereits seit einigen Jahrzehnten kommt es selbst in systemrelevanten Bereichen immer wieder zu Privatisierungen – bei denen die kurzfristige Gewinnmaximierung zugunsten der Investoren oftmals das Geschäft bestimmt.

Von der Silicon Valley Bank zur Credit Suisse: Finanzmarktkrise 2.0?

von Rudolf Hickel

Fünfzehn Jahre nach der Finanzmarktkrise, die im September 2008 durch die Lehman-Pleite ausgelöst wurde und die Weltwirtschaft beinahe zum Absturz brachte, drohen erneut massive Turbulenzen im Kasinokapitalismus. In den USA erschütterte der Crash eines zuvor ziemlich unbekannten regionalen Spezialinstituts, der Silicon Valley Bank (SVB), die Finanzmärkte.