Ausgabe März 1994

IWF und Weltbank unter Reformdruck

Ein halbes Jahrhundert nach Bretton Woods

In seinem ebenso aufsehenerregenden wie umstrittenen Aufsatz "The Clash of Civilizations" prognostiziert der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein verheerendes Abstimmungsergebnis in der Dritten Welt: Würden die "Non-Westerners" wirklich einmal nach ihrer Meinung gefragt, "würde der IWF zweifellos die Zustimmung der Finanzminister und einiger anderer finden, doch bei der übergroßen Mehrheit würde er sehr schlecht abschneiden; diese wäre wahrscheinlich mit Georgy Arbatow einer Meinung, der die IWF-Beamten als 'Neo-Bolschewisten' kennzeichnete, die es lieben, anderer Menschen Geld zu enteignen, ihnen undemokratische und fremdartige wirtschaftliche und politische Verhaltensregeln aufzuzwingen und die ökonomische Freiheit zu ersticken" 1).

Das Beispiel charakterisiert durchaus zutreffend die paradoxe Situation, in der sich der Internationale Währungsfonds und die Weltbank ein halbes Jahrhundert nach der Konferenz von Bretton Woods, auf der sie 1944 aus der Taufe gehoben wurden, befinden: Im Zenit ihrer Machtentfaltung (gegenüber dem Süden und neuerdings auch gegenüber dem Osten) sind die Bretton-Woods-Zwillinge so unpopulär wie nie zuvor.

März 1994

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