Ausgabe August 1995

Brent Spar oder der vergessene Alltag der Nordseeverschmutzung

Der Sünder ist erkannt, gestellt und bestraft worden. Der britisch-niederländische Shell-Konzem hat dem Druck aus Politik und Wirtschaft nachgeben müssen und, der Strömung zeitgeistiger Opportunität gehorchend, mehr verständnislos staunend als von der eigenen Sündhaftigkeit überzeugt die Hände gehoben und Besserung gelobt. Ein für die Zukunft geläuterter Erdölmulti? Wohl kaum steht er doch einerseits stellvertretend für viele andere seinesgleichen und andererseits festgefügt als integraler Bestandteil eines globalen sozio-ökonomischen Systems, von dem wir alle letztlich profitieren und dessen scheinbare Wohltaten ehrlicherweise wohl nur wenige von uns ernsthaft aufzugeben bereit sind. 1) Aber besser fühlen wir uns jetzt: haben wir doch alle gemeinsam und ohne einen Pfennig zu bezahlen - einem richtig großen Bösewicht mal zeigen dürfen, wo der Bartel den Sprit auch kaufen kann. Politiker, die sonst nicht gerade im Verdacht stehen, sich Sorgen um die Umwelt zu machen, exhibitionieren plötzlich ihre lange geheim gehaltene grüne Unterwäsche, Kirchenverbände werden zu Sachwaltern des Nordseeschutzes.

Der kleine Mann, die kleine Frau tankt verwegen bei Esso, BP, Agip, Conoco, Amoco...

August 1995

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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