Ausgabe Februar 1995

Markttotalitarismus

"Die Sozialpolitiker in den Parteien müssen endlich mal auf den Boden der Realität gebracht werden", dekretiert der neue BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel. "Man muß ihnen sagen, daß die Marktwirtschaft an sich moralisch ist..." ("Frankfurter Allgemeine Zeitung", 13.1.1995). Während hierzulande allen LangzeitaufschwungPrognosen zum Trotz weiter eine marktfundamentalistische Provokation die andere jagt, setzte jüngst William Pfaff, einer der angesehensten amerikanischen Kommentatoren, in der "International Herald Tribune" (7.-8.1.1995) ganz andere Signale. Wir danken dem Autor für die nachstehende "Blätter"-Fassung des Beitrages und dem Los Angeles Times Syndicate für die deutschen Rechte. D. Red.

Jene Wirtschaftsorthodoxie, die da sagt, der Marktplatz könne und solle die Prioritäten der Sozialpolitik bestimmen, und die in der größtmöglichen Ausweitung des Welthandels den Weg sieht, den Wohlstand aller zu maximieren, stößt zunehmend auf Widerstand. In Westeuropa läßt sich das an manchen Einwänden gegen Maastricht ablesen, auch an Vorstößen im Europaparlament zugunsten einer Politik europäischer Handelspräferenzen. In den USA haben sich die Zweifel an NAFTA (dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen) als Folge mexikanischen Schulden- und Währungskrise erheblich verstärkt.

Februar 1995

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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