Ausgabe Februar 1995

Multimedia - Von der Telematik zur elektronischen Medien-Integration

1. Multimedia auf digitalen Autobahnen

Die weltweiten Umwälzungen in den Sektoren der Informations- und Kommunikationstechnik, der Unterhaltungsindustrie und der Massenmedien haben einen Namen: "Multimedia". Mit diesem Begriff verbinden sich oft geradezu euphorische Visionen und Erwartungen. Multimediale Kommunikation auf digitalen Autobahnen soll, so heißt es beispielsweise im Aktionsprogramm der Clinton/Gore-Regierung der USA, "eine Informationsrevolution auslösen, die ein für allemal die Art und Weise ändern wird, wie Menschen leben, arbeiten und miteinander umgehen". Ähnliche Prognosen sind derzeit allerorten zu lesen und zu hören.

Ob die Vision eines Volkes von "Bildschirmhockern" Wirklichkeit wird, das Produktion und Konsumtion am Glasfaseranschluß in der Wohnung erledigt, die elektronisch bestellten und bezahlten Waren und Dienstleistungen an der Haustür entgegennimmt, die Wohnung nur noch zum Joggen und zur selten gewordenen "Nahkommunikation" verläßt, ob Verkehrsstaus sich per Teleworking von selbst auflösen und alle sich in einer grenzenlosen, "demokratischen Informationsgesellschaft" wiederfinden, ist so oder anders Gegenstand multimedialer Spekulationen. Viele reden von Multimedia, aber trotz der inflationären Verwendung des Begriffs gibt es noch keine aussagekräftige Definition oder Umschreibung.

Februar 1995

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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