Ausgabe Februar 1995

Wettlauf ohne Sieger

Politische Gestaltung im Zeitalter der Geo-Ökonomie

Edward Luttwak hat in seinem Buch mit dem bellizistischen Titel "Weltwirtschaftskrieg" 1) zu Recht darauf verwiesen, daß wir es heute nicht mehr mit der Nationalökonomie des 19. und frühen 20. Jhs., sondern mit der modernen "Geoökonomie" zu tun haben. Seitdem die Konvertibilität der Währungen selbstverständlich geworden ist und fast als eine zivilisatorische Errungenschaft von Weltbürgern (allerdings nur im reichen Teil der Welt) erlebt wird; seitdem ein internationales Finanzsystem mit seinem Netzwerk den Globus umspannt und seine Agenten viel Phantasie (auch kriminelle) aufwenden, um den Resten nationalstaatlicher Kontrolle zu entfliehen; seitdem alle Welt wenn schon nicht unbedingt dem Prinzip, so doch der Ideologie des Freihandels frönt, ist die Souveränität der Nationalstaaten in der modernen Geoökonomie des Planeten Erde geradezu verdampft.

Sie ist noch vorhanden wie ein diffuser Nebel und nicht wie der eigentliche harte Faktor in den internationalen Machtbeziehungen. Die "realistische Schule" der Theorie internationaler Beziehungen, wo als Akteure die Repräsentanten der Nationalstaaten ihr Spiel spielen, hat den Realitätsbezug verloren. Auch in der ökologischen Debatte weiß man inzwischen von den Auswirkungen der lokal und national erzeugten Umweltschäden auf die "global commons".

Februar 1995

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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