Ausgabe Juli 1995

Jugoslawien oder der Zwang des Zusammenlebens

Auf die nationale Frage gibt es im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien keine im ethnischen Sinne nationalstaatliche Antwort. Eine Friedensstrategie kann also eigentlich nur versuchen, die Frage zu vermeiden. Ist sie gestellt, scheitern alle Antworten mehr oder weniger an der Wirklichkeit. Real ist dann nur das Töten.

Insofern sind die folgenden Überlegungen unrealistisch oder jedenfalls voraussetzungsvoll. Sie gründen z.B. auf der Bedingung, daß alle Akteure den Frieden wollen, was in Belgrad, Pale, Knin oder Mostar vielleicht nicht gilt. Der durch den Prozeß der Nationalisierung ausgelöste Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat deutlich vor Augen geführt, daß die Bildung sich ethnisch definierender Nationalstaaten, wenn überhaupt, dann jedenfalls nicht in dieser Region Europas gelingen kann. Der Versuch, die Territorien souveräner Staaten mit den Siedlungsgegebenheiten so in Übereinstimmung zu bringen, daß einerseits alle, andererseits ausschließlich Angehörige einer sich als Nation fehlenden Bevölkerung in einem Territorialverband leben, muß scheitern, es sei denn, man griffe zum Mittel der Umsiedlung bzw. der "ethnischen Säuberung".

Juli 1995

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema