Ausgabe Oktober 1995

Philosophie der Apokalypse

Geistige Pfadfinder der Neuen Rechten

Denkt man an die Neue Rechte, fallen einem die Namen einiger Publizisten ein, Schlagworte wie "selbstbewußte Nation", "anschwellender Bocksgesang", ein paar spektakuläre Interviews und medienwirksame Kontroversen. Hier also nochmals und schon wieder zu diesem Thema? Um Botho Straußens Bild des "hortus conclusus" aufzugreifen: im geschlossenen Garten der Neuen Rechten, der so geschlossen wiederum nicht ist, gibt es verwunschene Ecken, schattige Beete, auf denen seltsam schillernde Blüten gedeihen. Sie verströmen einen eigenartig morbiden Duft, einen Hauch von Tod, Untergang, Apokalypse. Hier wird nicht das Suppengrün für den Tagesgebrauch gezüchtet, sondern die blaue Blume einer mystisch-apokalyptischen Romantik. Ihre Gärtner: seltsam schweifende, grenzüberschreitende Rhapsoden des Raunens und Andeutens, irgendwo im vagen Ungefähr zwischen Philosophie, Pädagogik, Literatur, Anthropologie, Mythologie. Ihre Botschaft: Entmythologisierung der Aufklärung, Kampf dem Logozentrismus der westlichen Welt

Ihre Themen: Die Transparenz der Verstrickung, Zur Kritik der Moderne, Vom Mythos der Aufklärung, Die Transformation der Körper ins Imaginäre, Das autistische Neutrum, Das Reale als das Unmögliche, Zeug (sic!) unsterblichen Lebens, Die Einbildungskraft und das Flechtwerk der Leere etc.

Oktober 1995

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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