Ausgabe April 1996

Frieden und Terror I: Israel

Die Terroranschläge der vergangenen Wochen mit ihren vielen unschuldigen Opfern haben in Jerusalem, Ashkelon und Tel Aviv für den Prozeß, der bereits erste Ansätze gegenseitiger Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ermöglichte, viele Fragen aufgeworfen. Von welch zentraler Bedeutung eben dieser Prozeß ist, wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, daß die Suche nach einem für Israelis und Palästinenser annehmbaren Modus vivendi nicht nur der Schlüssel zu einer möglichen Lösung des palästinensischen Problems ist, sondern die meisten Länder der Region betrifft. Erst der Akt der gegenseitigen Anerkennung zwischen der PLO und Israel vom September 1993 wandelte die Hoffnung auf Frieden von reinem Wunschdenken in eine realistische Chance.

Hamas, die radikal-islamische Bewegung, die die jüngsten Morde ebenso wie viele frühere Terrorakte zu verantworten hat, steht in radikaler Opposition zur Suche nach Frieden und Verständigung. Es ist offenbar ihr Ziel, die Errungenschaften der letzten drei Jahre zunichte zu machen. Ihr Kampf scheint sich nicht nur gegen Israel zu richten, sondern ebenso gegen die neue palästinensische Realität, die das Leben der Bevölkerung in Gaza und den bereits unter palästinensischer Autonomie stehenden sechs großen Städten der Westbank bestimmt.

April 1996

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.