Von Camille Grand In der letzten Februarwoche dieses Jahres hat Staatspräsident Jacques Chirac in mehreren Ansprachen (vgl. auch "Dokumente zum Zeitgeschehen") einschneidende Veränderungen der französischen Sicherheitspolitik angekündigt, darunter die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht bis zum Jahr 2001. Unberührt davon bleiben, abgesehen von der Ausmusterung der obsolet gewordenen landgestützten Nuklearraketen, die nationale Atomstreitmacht Force de frappe und die spezifisch französische Version der nuklearen "dissuasion" (Abschreckung). Bei allen Protesten gegen Chiracs Atomtestserie im Muroroa-Atoll, auch bei den eher verhaltenen Reaktionen auf die damit einhergehenden Angebote einer "Europäisierung" des französischen Kernwaffenpotentials, ist der Kenntnisstand über Geschichte und raison d'tre der einst viel belächelten Force de frappe in Deutschland kaum gewachsen. Der nachstehende Artikel von Camille Grand, Experte vom Institut de Relations Internationales et Stratégiques (IRIS) in Paris, soll dazu beitragen, Abhilfe zu schaffen. D. Red. Seit der Explosion der ersten französischen Atombombe am 13. Februar 1960 haben General de Gaulle und später seine Nachfolger ein unabhängiges Nukleararsenal und eine eigenständige Abschreckungsstrategie entwickelt. Im Unterschied zu den beiden Supermächten gründete Frankreich seine Nuklearstrategie auf die Idee der Minimalabschreckung.
In der Ukraine gibt es aktuell zwei Zeitrechnungen: eine Zeit »vor dem Krieg« und eine danach. Das gilt auch für Tschernobyl, wo es am 25. April 1986 im Atomkraftwerk »W.I. Lenin« zum »Größten Anzunehmenden Unfall« kam.