Der ADAC, Deutschlands größter Einzelverband und zweitgrößter Automobilclub der Welt (nach dem US-amerikanischen), führt nun schon anderthalb Jahre, seit Sommer 1994 - den Startschuß hatte man bewußt kurz vor der Bundestagswahl gegeben - eine Kampagne zur Reinwaschung des Automobils von seinen Umweltsünden durch. Als wenn es die Umweltdiskussion der letzten beiden Jahrzehnte nicht gegeben hätte, werden seither unter dem Motto "Sehen, was Sache ist" Uralt-Vorurteile und Stammtisch-Weisheiten als neue Erkenntnisse dargestellt und (in diversen Medien für die verschiedensten Zielgruppen unterschiedlich aufgemacht) als "Fakten" an Mitglieder der Fraktionen in den Kommunal-, Länder und Bundesparlamenten, an Verwaltungsmitarbeiter in den zuständigen Behörden und schließlich an alle erreichbaren Bürger in millionenfacher Auflage verteilt. Nicht nur den über 13 Millionen Mitgliedern des Vereins muß offenbar wieder eingeschärft werden, daß z.B., wer Wohlstand will, Autos und Straßen bauen muß. Die Propaganda wird vermutlich selbst einen großen Teil der Mitglieder erstaunen und vielleicht empören, jene nämlich, die wegen der Serviceleistungen beigetreten sind und nun für knallharte Lobbyarbeit mit Argumenten der 60er Jahre in Dienst genommen werden.
Es hätte ein Durchbruch werden können – für Umwelt und Nachhaltigkeit, aber auch für die Entbürokratisierung, der sich Regierungen und Parteien so gerne verschreiben. Doch was nun zum 12. August im EU-Gebiet Gesetzeskraft erhält, erreicht weder das eine noch das andere.