Ausgabe Januar 1996

Motorweltbild

Der ADAC, Deutschlands größter Einzelverband und zweitgrößter Automobilclub der Welt (nach dem US-amerikanischen), führt nun schon anderthalb Jahre, seit Sommer 1994 - den Startschuß hatte man bewußt kurz vor der Bundestagswahl gegeben - eine Kampagne zur Reinwaschung des Automobils von seinen Umweltsünden durch. Als wenn es die Umweltdiskussion der letzten beiden Jahrzehnte nicht gegeben hätte, werden seither unter dem Motto "Sehen, was Sache ist" Uralt-Vorurteile und Stammtisch-Weisheiten als neue Erkenntnisse dargestellt und (in diversen Medien für die verschiedensten Zielgruppen unterschiedlich aufgemacht) als "Fakten" an Mitglieder der Fraktionen in den Kommunal-, Länder und Bundesparlamenten, an Verwaltungsmitarbeiter in den zuständigen Behörden und schließlich an alle erreichbaren Bürger in millionenfacher Auflage verteilt. Nicht nur den über 13 Millionen Mitgliedern des Vereins muß offenbar wieder eingeschärft werden, daß z.B., wer Wohlstand will, Autos und Straßen bauen muß. Die Propaganda wird vermutlich selbst einen großen Teil der Mitglieder erstaunen und vielleicht empören, jene nämlich, die wegen der Serviceleistungen beigetreten sind und nun für knallharte Lobbyarbeit mit Argumenten der 60er Jahre in Dienst genommen werden.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema