Noch Mitte März hatte man sich geweigert, ihn zum Anti-TerrorGipfel nach Scharm el-Scheich einzuladen, doch wenige Wochen später wurde Syriens Präsident Hafez Assad als der einzige anerkannt, der Nordisrael vor Terrorismus beschützen könne. Die letzten Endes erfolgreichen Bemühungen des US-Außenministers Warren Christopher und seines französischen Amtskollegen Hervé de Charette, Assads Kooperation in der Libanonkrise zu gewinnen, haben für ein "pathetisches" Spektakel gesorgt, wie es ein Diplomat vor Ort, seinerseits Franzose, formulierte: Sie "lagen ihm zu Füßen". Der nachfolgende Waffenstillstand war für Israel kein Erfolg und genausowenig für die Vereinigten Staaten, so sehr man sich auch in Washington und Tel Aviv darum bemühte, der Sache Glanz zu verleihen. Beide haben Schaden genommen. Möglicherweise vermochte sich Premierminister Schimon Peres Vorteile für den Urnengang am 29. Mai zu sichern. Und Bill Clinton wird sich höchstwahrscheinlich einer politischen Belohnung für seine Unterstützung Israels erfreuen.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.