Ausgabe Juni 1996

Störfall im Endlager der Geschichte

Daniel Goldhagen und seine deutschen Kritiker

Bei dem folgenden Text handelt es sich nicht um eine Rezension von Daniel Goldhagens Hitler's Willing Executioners: Ordinary Germans and the Holocaust, das Ende März diesen Jahres im New Yorker Alfred A. Knopf Verlag erschienen ist. *) Es geht vielmehr um Inhalt und Tonlage der bisherigen deutschen Reaktionen auf Goldhagens Publikation.

Nichts Neues, redundant und - überflüssig?

Einer der wichtigsten und verbreitetsten Vorwürfe gegen Goldhagen ist, daß der Autor längst Bekanntes auftische. Das stimmt - für die Opfer. Für die sind die Folterungen und Brutalitäten der deutschen Schergen tatsächlich nichts Neues. Mit den Erinnerungen daran müssen sie tagtäglich umgehen. Bei einem Treffen jüdischer Überlebender des Holocaust im April in New Jersey ist der Tenor der Anwesenden genau der: Goldhagen sagt doch nur, was wir alle am eigenen Leib erlebt haben. Ich bin mir allerdings nicht sicher, daß Goldhagens Thesen den Deutschen genauso bekannt sind. Die unerbittlich negativen Reaktionen lassen eher das Gegenteil vermuten.

Goldhagen hat dem deutschen Publikum in einer direkten und unverbrämten Sprache etwas Neues vorgelegt. Daß die Deutschen dies nicht lesen wollen und verärgert sind, einmal mehr mit ihrer unverarbeiteten Vergangenheit konfrontiert zu werden, ist eine andere Frage.

Juni 1996

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema