Ausgabe Februar 1997

Die fixe Idee vom Kampf der Kulturen

Beginnt an der Schwelle zum 21. Jahrhundert ein durch den Kampf der Kulturen geprägtes Zeitalter? Diese Frage stellte 1993 Samuel Huntington in einem weltweit vieldiskutierten Aufsatz, dessen Überschrift damals noch mit einem Fragezeichen versehen war. 1) Man konnte dieses Fragezeichen ernst nehmen oder aber als rhetorisches Einsprengsel begreifen. In der deutschen Ausgabe des nunmehr nachgeschobenen Buches 2) gerät der Kampf der Kulturen ohne Wenn und Aber zur Bestimmungsgröße für die "Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert". Von Fragezeichen keine Spur mehr: Die Anregung, die Weltpolitik nach dem Ende des Ost-WestKonfliktes nicht mehr (zumindest nicht zu allererst) mit Kategorien des machtpolitischen Konflikts, der Rüstungskonkurrenz, des ökonomischen Verteilungskampfes oder des ideologischen Systemantagonismus zu begreifen, sondern eine nagelneue paradigmatische Sichtweise, nämlich die des Kulturkonfliktes, in die Analyse internationaler Politik einzubringen, gilt nunmehr ohne Abstriche. Die Wirklichkeit der internationalen Politik prägt Huntington zufolge sowohl auf der Makro- als auch auf der Mikroebene tatsächlich der Zusammenprall der Kulturen.

Damit wurde eine provokante These, deren Suggestionskraft in einer Art von Plausibilität auf den ersten Blick bestand, noch einmal zugespitzt, allerdings damit auch für den zweiten, den kritischen Blick, exponierter.

Februar 1997

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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