Ausgabe Februar 1997

Wie die Schweine von Gerasa

Die wichtigste Triebkraft des Jahres 1997 wird die Kampagne der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten sein, die nichtwestliche Welt in eine globalisierte Wirtschaft einzugliedern. Die Verantwortlichen wissen, daß dies zu einen dramatischen sozialen Wandel führen wird, sie halten aber zugleich für selbstverständlich, daß Verwestlichung nicht allein Fortschritt und Segen ist, sondern auch unvermeidlich. Die Auswirkungen sind revolutionär. Seit der Französischen Revolution bis hin zur Neuen Weltordnung hat die Verwestlichung in der nichtwestlichen Welt erbitterten Widerstand, kulturelle und soziale Erschütterungen, ja sogar Terror und Krieg hervorgerufen. Wir im Westen vernachlässigen dies aufgrund unserer eigenen geschichtlichen Beschränktheit, aber auch wegen unseres wirtschaftlichen Determinismus. Die Amerikaner glauben, wirtschaftlicher Erfolg laufe automatisch auf menschlichen Erfolg hinaus.

Allgemein hält der Mainstream Handel für eine unermeßliche Wohltat, teilweise deshalb, weil Amerikas Führung sich zum Materialismus und den politischen Werten des modernen Westens kaum eine ernsthafte Alternative vorstellen kann.

Februar 1997

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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