Ausgabe Juli 1997

Joint Implementation - Rettung für das Weltklima oder bloßes Alibi?

Könnten die Industrieländer nicht den Klimaschutz der Entwicklungsländer verbessern und sich auf diese Weise von der Verpflichtung zu weiteren Verbesserungen im eigenen Land quasi "freikaufen"? Da die Technologie in Entwicklungsländern oft viel rückständiger ist, wäre das Kapital, das auf diese Weise in den Umweltschutz investiert würde, nicht am gewinnbringendsten eingesetzt? Diese Idee spielt eine wichtige Rolle in der Debatte über Klimaschutzpolitik. Während die Industrie die Einführung von "Joint Implementation" (JI) befürwortet, wird diese Strategie von Umweltschutzorganisationen ebenso wie von Entwicklungstheoretikern und Eine-Welt-Aktivisten oft negativ bewertet. 1)

Ausgangspunkt aller Überlegungen zur Reduktion von Emissionen im Rahmen des Klimaschutzes ist die 1992 auf der "United Nations Conference on Enviromnent and Development" (UNCED) verabschiedete Klimakonvention, die mittlerweile von über 150 Staaten ratifiziert worden ist. In der Konvention werden die Staaten in drei Gruppen unterteilt: Annex 1-Staaten, Annex 2-Staaten und die sogenannten "Nicht-Annex 1-Staaten". Die erste Gruppe besteht im wesentlichen aus den Industrieländern (den damaligen OECD-Staaten und Osteuropa), die zweite nur aus den damaligen OECD-Ländern und die dritte aus allen übrigen Nationen.

Juli 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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