Ausgabe März 1997

Zwischen moralischer Aufrüstung und sozialer Reformpolitik

Widersprüche des Kommunitarismus

Auf die Frage, was denn der Kommunitarismus sei, schreibt Joan W. Konner: "Mir kommt er wie ein Mix aus Predigt, Bekräftigung alter Werte, politischer Kampagne und sozialer Bewegung vor", und Amitai Etzioni, einer der namhaftesten Wortführer und Promotoren der kommunitaristischen Bewegung, bestätigt, er selbst hätte es nicht besser formulieren können. 1) Kommunitarismus ist aber auch ein Mix aus Moralismus und effizientem Gesellschaftsmanagement, aus Familismus und neuen sozialen Bewegungen, aus dialogischer Gesellschaftstherapie und Traditionalismus und nicht zuletzt aus Rousseau und den neu interpretierten amerikanischen Gründervätern der Federalist Papers. Sie kommen vom Konservatismus her wie William Galston oder vom Sozialismus wie Charles Taylor und sind sich in einem einig: den Gefahren des Liberalismus mit seinem ungebremsten Individualismus und seiner selfishness.

Zwar verstehen sie sich selbst als Liberale, die ihm nur ein sozialeres, gemeinschaftlicheres Gesicht und eine existentialistische Tiefendimension geben wollen durch Rückbesinnung auf "Authentizität".

Doch ihre theoretischen Leitfiguren heißen Hannah Arendt, bisweilen auch Heidegger, Leo Strauss und Tocqueville - von letzterem abgesehen allesamt nicht gerade Wortführer des Liberalismus.

März 1997

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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