Ausgabe November 1997

Wie die Wehrmacht die Fähigkeit erlangte, einen Vernichtungskrieg zu führen

Die Ausstellung konfrontiert uns mit unwiderlegbaren und erschütternden Tatsachen. Über die Ursachen, die den Vernichtungskrieg ermöglicht und bewirkt haben, sagt sie uns nichts. (Die Interpretation, daß das unausrottbar Böse im Menschen Hauptursache sei, schließt sie nicht unbedingt aus.) Die Kausalbeziehungen zu ermitteln, ist die Aufgabe kritischer Wissenschaft. Streng genommen ist eigentlich erst dann die Stufe von Wissenschaft erreicht wenn diese (in Natur und Gesellschaft) ermittelt werden. Die Basis solcher Analysen aber bildet selbstverständlich das Tatsachenmaterial. Über zwei grundlegende Tatsachen kann es keinen Zweifel geben. Sie sind seit dem Internationalen Militärtribunal 1945 bekannt und durch die über 50jährige Arbeit der internationalen Forschung eindringlich bestätigt worden.

Das Herrschaftssystem des deutschen Faschismus zielte von Anfang an auf den großen Eroberungskrieg. Die Unterwerfung und dauerhafte Niederhaltung der europäischen Völker vom Atlantik bis zum Ural sollte die Weltmachtgeltung Deutschlands garantieren. Um den eroberten Osten in "blühende germanische Provinzen" (Himmler) 1) verwandeln zu können, waren Terror und Völkermord schon frühzeitig eingeplant: als unumgängliche Mittel zur Durchsetzung dieser gigantischen Ziele, aber auch als legitime Mittel der deutschen Herrenrasse gegenüber rassisch Minderwertigen.

November 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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