Mit Gelassenheit, wenn nicht gar mit überheblicher Attitüde reagierten in Deutschland etliche auf die Raubgold-Debatte, in deren Mittelpunkt schweizerische Banken stehen, weil sie von der Deutschen Reichsbank Raubgold übernommen und damit nicht nur hohe Profite gemacht, sondern dem NS-Regime auch unverzichtbare logistische Dienste für die Kriegsführung geleistet hatten. Der "Spiegel" etwa schrieb: "Über das Alpenland bricht herein, was die Nachbarn im Norden und Osten weitgehend hinter sich haben". Die Bundesregierung reagierte ähnlich. Zwar verhängte sie über ihre Delegation auf der Londoner Raubgold-Konferenz im Dezember letzten Jahres kein Schweigegebot, wie es der Vatikan tat, doch ließ sie durch die beauftragten Sprecher verlauten, in Deutschland sei alles geklärt und selbstverständlich auch geregelt. In drei Schritten wurde diese Position zum Einsturz gebracht. Der Privatforscher Hersch Fischler machte bereits Anfang letzten Jahres eine wenig interessierte Öffentlichkeit darauf aufmerksam, daß zentrales Reichsbank-Archivmaterial zum Raub von Opfergold nicht mehr auffindbar ist, obwohl es der Bank deutscher Länder, der Vorläufern der Bundesbank, von den Alliierten "zur dauerhaften Aufbewahrung" übergeben worden war.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.