Mit Gelassenheit, wenn nicht gar mit überheblicher Attitüde reagierten in Deutschland etliche auf die Raubgold-Debatte, in deren Mittelpunkt schweizerische Banken stehen, weil sie von der Deutschen Reichsbank Raubgold übernommen und damit nicht nur hohe Profite gemacht, sondern dem NS-Regime auch unverzichtbare logistische Dienste für die Kriegsführung geleistet hatten. Der "Spiegel" etwa schrieb: "Über das Alpenland bricht herein, was die Nachbarn im Norden und Osten weitgehend hinter sich haben". Die Bundesregierung reagierte ähnlich. Zwar verhängte sie über ihre Delegation auf der Londoner Raubgold-Konferenz im Dezember letzten Jahres kein Schweigegebot, wie es der Vatikan tat, doch ließ sie durch die beauftragten Sprecher verlauten, in Deutschland sei alles geklärt und selbstverständlich auch geregelt. In drei Schritten wurde diese Position zum Einsturz gebracht. Der Privatforscher Hersch Fischler machte bereits Anfang letzten Jahres eine wenig interessierte Öffentlichkeit darauf aufmerksam, daß zentrales Reichsbank-Archivmaterial zum Raub von Opfergold nicht mehr auffindbar ist, obwohl es der Bank deutscher Länder, der Vorläufern der Bundesbank, von den Alliierten "zur dauerhaften Aufbewahrung" übergeben worden war.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.