Eigentlich eine ganz einfache Geschichte: Der Bundestag bezieht den Reichstag, ein Gebäude, dem die deutsche Geschichte m i t i h r e n H ö h e n u n d T i e f e n ähnlich übel mitgespielt hat wie D e m d e u t s c h e n V o l k e. (Das aber auch als solches prima symbolisiert, daß letztenendes alles immer wieder gut wird.) Das Gebäude wurde renoviert und wird jetzt halt "instandbesetzt". Das erste deutsche Parlament, das von sich behaupten kann, die Akzeptanz der Bevölkerung zu genießen und auf eine Erfolgsgeschichte von mehreren Jahrzehnten zurückzublicken, siedelt von seiner Pflanzstätte im Westen in die neue Bundeshauptstadt um und stiftet dieser unter der Adresse "Platz der Republik" ihr politisches Zentrum. Gleichzeitig also Schluß der unsinnigen Debatten über "das Loch" in der Mitte, die Leere "im Herzen der Hauptstadt", wie sie das Fehlen des (deshalb dort dringend wieder benötigten) Hohenzollern-Stadtschlosses angeblich erzeugt. So einfach wäre d i e s e Geschichte, hätten wir es mit einer ihrer selbst bewußten, ihres Werts, ihrer singulären Bedeutung vor dem Hintergrund der Elendsgeschichte des deutschen Parlamentarismus vor 1945 bewußten Volksvertretung zu tun. Schließlich ist es der 14.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.