Ausgabe April 1999

Instandbesetzung an der Spree

Eigentlich eine ganz einfache Geschichte: Der Bundestag bezieht den Reichstag, ein Gebäude, dem die deutsche Geschichte m i t i h r e n H ö h e n u n d T i e f e n ähnlich übel mitgespielt hat wie D e m d e u t s c h e n V o l k e. (Das aber auch als solches prima symbolisiert, daß letztenendes alles immer wieder gut wird.) Das Gebäude wurde renoviert und wird jetzt halt "instandbesetzt". Das erste deutsche Parlament, das von sich behaupten kann, die Akzeptanz der Bevölkerung zu genießen und auf eine Erfolgsgeschichte von mehreren Jahrzehnten zurückzublicken, siedelt von seiner Pflanzstätte im Westen in die neue Bundeshauptstadt um und stiftet dieser unter der Adresse "Platz der Republik" ihr politisches Zentrum. Gleichzeitig also Schluß der unsinnigen Debatten über "das Loch" in der Mitte, die Leere "im Herzen der Hauptstadt", wie sie das Fehlen des (deshalb dort dringend wieder benötigten) Hohenzollern-Stadtschlosses angeblich erzeugt. So einfach wäre d i e s e Geschichte, hätten wir es mit einer ihrer selbst bewußten, ihres Werts, ihrer singulären Bedeutung vor dem Hintergrund der Elendsgeschichte des deutschen Parlamentarismus vor 1945 bewußten Volksvertretung zu tun. Schließlich ist es der 14.

April 1999

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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