Ausgabe September 1999

Sozialdemokratische Zustände

Der wirklich heiße Sommer 1999 hat es noch deutlicher gemacht: In für ernsthaft denkende Menschen fast unerträglicher Weise werden in der SPD substantielle inhaltliche Fragen auf eine personenzentrierte Ebene verschoben. Dabei entstehen bei manchem sozialdemokratischem Politiker offensichtlich die Gedanken im Mund und nicht, wie es sein sollte, zuerst im Kopf; da redet man drauflos und so lange, bis man den Gegner endlich im eigenen Lager entdeckt hat, statt sich mit der Opposition, deren ungeordneter Nachlaß kaum mehr zur Kenntnis genommen wird, auseinanderzusetzen. Auf diese vordergründige Weise wird die Komplexität gesellschaftlicher Veränderungsprozesse verdeckt, die fast umwälzende Umorientierung in den Wertewelten nicht angemessen begriffen und schon gar nicht begreifbar gemacht. Leichtfertig fällt man in die gewohnten Zuordnungen zurück: links/rechts, Traditionalist/Modernisierer, weil's griffiger zu sein scheint.

September 1999

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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