Ausgabe April 2000

Amerika bleibt plutokratisch

Einmal mehr haben die Vorwahlen gezeigt, daß das amerikanische Wahlsystem nicht reformierbar ist. Die Kandidatur von John McCain und Bill Bradley bot den Amerikanern dieser Generation die wohl beste Gelegenheit, das Wahlsystem zu ändern. Beide empfahlen zwar bescheidene, aber dennoch wirksame Heilmittel gegen die Übernahme der Regierungsinstitutionen des Landes durch das große Geld aus Unternehmens- und Privatquellen. Denn die Vereinigten Staaten sind zu einer Plutokratie im wahrsten Sinne des Wortes geworden, regiert vom Reichtum, besonders vom unternehmerischen. Offensichtlich tragen die beiden gescheiterten Kandidaten Mitverantwortung für das, was geschehen ist. Bradley erwies sich als schwacher Vertreter und McCain als undiszipliniert; auf unverschämte Angriffe reagierte er mit zügellosen Rechtfertigungen.

Trotz alledem, die Öffentlichkeit hätte dem einen oder dem anderen ihre Stimme geben und damit eine Botschaft übermitteln können. Beide brachten das von ihnen herausgeforderte System dazu, Geld und Anstrengungen in einem beispiellosen Umfang zu mobilisieren, um den privilegierten Machtzugang und Einfluß in Washington zu sichern, was strukturell mit der amerikanischen Besonderheit zusammenhängt, Wahlkämpfe hauptsächlich mittels bezahlter Fernsehund Radiospots zu führen.

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