Geradezu enthusiastisch feiert die französische Presse – von „La Croix“ bis „L ́Humanité“ – seit seinem Erscheinen im vergangenen Herbst ein Buch, das in der Bundesrepublik bislang kaum zur Kenntnis genommen wurde und dessen Entstehung hierzulande auch schwer vorstellbar erscheint. Schon der Titel „Le nouvel esprit du capitalisme“ dürfte eher befremden, obgleich die Autoren – Luc Boltanski und Ève Chiapello – mit ihm einem deutschen Klassiker ihre Reverenz erweisen: Max Webers „Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus“. Bei dem 800-Seiten-Wälzer aus den Editions Gallimard handelt es sich um das Ergebnis eines 1995, im Jahr der französischen Herbststreiks, begonnenen Forschungsprojekts, das die Förderung der Handelsakademie HEC (École des hautes études commerciales) und der École de hautes études en sciences sociales (EHESS) genoß, beides Pariser Eliteinstitutionen. Luc Boltanski gilt als „Dissident“ aus der Schule Pierre Bourdieus, Ève Chiapello reussierte mit einem Buch über Management und „künstlerische Kritik“, letztere eine für die hier vorzustellende Studie zentrale Kategorie („Artistes versus managers. Le management culturel face à la critique artiste“, Paris 1998).
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.