Geradezu enthusiastisch feiert die französische Presse – von „La Croix“ bis „L ́Humanité“ – seit seinem Erscheinen im vergangenen Herbst ein Buch, das in der Bundesrepublik bislang kaum zur Kenntnis genommen wurde und dessen Entstehung hierzulande auch schwer vorstellbar erscheint. Schon der Titel „Le nouvel esprit du capitalisme“ dürfte eher befremden, obgleich die Autoren – Luc Boltanski und Ève Chiapello – mit ihm einem deutschen Klassiker ihre Reverenz erweisen: Max Webers „Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus“. Bei dem 800-Seiten-Wälzer aus den Editions Gallimard handelt es sich um das Ergebnis eines 1995, im Jahr der französischen Herbststreiks, begonnenen Forschungsprojekts, das die Förderung der Handelsakademie HEC (École des hautes études commerciales) und der École de hautes études en sciences sociales (EHESS) genoß, beides Pariser Eliteinstitutionen. Luc Boltanski gilt als „Dissident“ aus der Schule Pierre Bourdieus, Ève Chiapello reussierte mit einem Buch über Management und „künstlerische Kritik“, letztere eine für die hier vorzustellende Studie zentrale Kategorie („Artistes versus managers. Le management culturel face à la critique artiste“, Paris 1998).
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.