Ausgabe April 2000

Virtueller Vandalismus

Es war eine Szene wie aus einem Hollywoodstreifen. Der US-Präsident rief in der ersten großen Internet-Krise die nationale Computerelite zusammen: Ordensgeschmückte Offiziere, finstere Agenten und Computer-Hacker, die ihre Frisur offensichtlich seit Woodstock nicht geändert haben. Es sei "kein Pearl Harbor" gewesen, so Bill Clintons nicht wirklich auf Entwarnung angelegte Zusammenfassung am nächsten Tag. Medienwirksam wurde ein Milliarden-Dollar-Programm zur Erhöhung der Internet-Sicherheit versprochen. In Deutschland zog Innenminister Schily nach und verkündete den Aufbau einer "Internet Task Force" aus BKA, Innenministerium und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein Schnellschuß, der weder der polizeilichen Praxis noch den Anforderungen des Datenschutzes gerecht wird, aber die verstörte Öffentlichkeit zunächst beruhigen konnte. Was war geschehen? Zuerst wurde das Flaggschiff der Online-Branche versenkt: Der milliardenschwere Suchdienst Yahoo ging für einige Stunden aus dem Netz. Dann kamen andere führende E-Commercer an die Reihe, in einer Zwischenbilanz reklamierte die Branche einen Schaden von 1,2 Mrd. US-Dollar. Auch in den folgenden Wochen meldeten Firmen Angriffe, unter anderem ein Internet-Broker und Microsoft.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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