Es war eine Szene wie aus einem Hollywoodstreifen. Der US-Präsident rief in der ersten großen Internet-Krise die nationale Computerelite zusammen: Ordensgeschmückte Offiziere, finstere Agenten und Computer-Hacker, die ihre Frisur offensichtlich seit Woodstock nicht geändert haben. Es sei "kein Pearl Harbor" gewesen, so Bill Clintons nicht wirklich auf Entwarnung angelegte Zusammenfassung am nächsten Tag. Medienwirksam wurde ein Milliarden-Dollar-Programm zur Erhöhung der Internet-Sicherheit versprochen. In Deutschland zog Innenminister Schily nach und verkündete den Aufbau einer "Internet Task Force" aus BKA, Innenministerium und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein Schnellschuß, der weder der polizeilichen Praxis noch den Anforderungen des Datenschutzes gerecht wird, aber die verstörte Öffentlichkeit zunächst beruhigen konnte. Was war geschehen? Zuerst wurde das Flaggschiff der Online-Branche versenkt: Der milliardenschwere Suchdienst Yahoo ging für einige Stunden aus dem Netz. Dann kamen andere führende E-Commercer an die Reihe, in einer Zwischenbilanz reklamierte die Branche einen Schaden von 1,2 Mrd. US-Dollar. Auch in den folgenden Wochen meldeten Firmen Angriffe, unter anderem ein Internet-Broker und Microsoft.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.